
NEU 7. 7. 2009
1. Offener Brief an das Darmstädter Dialogforum zur Nordostumgehung
2. Darmstadt
nach dem Generalverkehrsplan Stand
1973
(skizziert nach dem offiziellen Stadtplan
des Vermessungsamts hier im heutigen Google-Map)
als <pdf> DIN A4 zur Vervielfältigung, auch als größeres Plakat, frei herunterzuladen
zwei DIN A5 als <pdf> DIN A4 zum Druck (Page Scaling: Tile large Pages); kostet weniger Tinte!
NACH dem Bürgerentscheid:
VOR dem
Bürgerentscheid:
Die Darmstädter Nordostumgehung steht unmittelbar vor einem Bürgerentscheid
am 7. Juni 2009:
»Sind Sie dafür, dass der Beschluss zur Vorlage 2008/0295 Bebauungsplan N59-Nordostumgehung (Satzungsbeschluss) der Stadtverordnetenversammlung vom 30. September 2008, die Nordostumgehung zu bauen, aufgehoben wird, also die Trasse NICHT gebaut wird?«
Ich plädiere dafür, mit JA zu stimmen.
Meine Begründung dafür steht in der Einmalzeitung, die ich hiermit veröffentliche. Ich bin damit solidarisch mit der ONO (Bürgerinitiative Darmstadt Ohne NordOst"Umgehung").
Um als »mündiger Bürger« (Sonntagsredenjargon) nicht kommentarlos zuzusehen, welcher GAI (Größter Anzunehmender Irrsinn) hier verwirklicht werden soll, habe ich sie erzeugt und stelle sie hiermit jeder & jedem zur Kopie und zum Druck zur Verfügung.
Weil sie nicht jede(r) bekommen kann, wird sie hier zum Download im pdf-Format eingestellt, und zwar in zwei Formaten:
zwei Seiten, so daß sie als DINA-4-Faltblatt (oder auch verkleinert) gedruckt werden können,
mit vier Seiten, um diese auf einem DIN-A-4-Drucker auszugeben.
Außerdem kann man mir Kommentare schicken, die hier, falls sie nicht anonym sind, eventuell (einvernehmlich) gekürzt und in »Notfällen« (Not für mich) kommentiert werden.
Emails an helmut.dressler@t-online.de und Kommentare
durchnumeriert und in zeitlich umgekehrter Reihenfolge sortiert:
6
...
5
... und jetzt kommt deine zeitung - prima...herzliche
grüsse und danke fürs einmischen. iris behr
4
Herzlichen Dank für deine Unterstützung! Sehr
gute und informative Beiträge. Ellen Schüßler
3
besten Dank - ich werde (in und mit attac DA) ordentlich
mobilisieren > für den Bürgerentscheid. - Jan-Martin Roth
2
danke für den neuesten "Der EwigVorgestrigenReport"!
Ich habe ihn mit viel Freude gelesen!
Vor allem finde ich toll, dass Sie ein Gedächtnis haben und an die alten
Schildbürgerstreiche der Darmstädter Stadtplaner erinnern.
Offensichtlich sind wir deren Nachlass ja immer noch nicht los... Klasse gemacht!
Danke! Weiter so!
Tom Reussner.
P.S.:
Ein gut gemeinter Hinweis: Die auf dem Titelblatt illustrierte Trassenführung
ist nach meinen Infos (u.a. auch von den BI ONO-Leuten) NICHT korrekt. Der
Kamin soll auf dem Fohlenhof stehen und die Trasse soll zwischen den beiden
Sportstadien entlang laufen. Das sollten Sie unbedingt überprüfen
und gegebenenfalls noch korrigieren, um glaubwürdig zu bleiben. Gott
sei Dank sind PCs ja geduldig (-;
[ok. Und ich lasse die Zeichnungen so, auf übermäßiges
Detaillieren kommt's nicht an, und wenn jemand in Ermangelung von Hauptargumenten
beckmesserisch daran Anstoß nimmt, so soll er. HD]
1
Du sprichst mir aus dem Herzen! Margret
Offener Brief an das Darmstädter
Dialogforum zur Nordostumgehung
z. H. Herrn Oberbürgermeister Walter Hoffmann DA,
den 7. Juli 2009
Sehr geehrter Herr Hoffmann,
Ihren Vorschlag zu einem Dialogforum nach dem Bürgerentscheid begrüße und befürworte ich außerordentlich, denn nun können alle wesentlichen Argumente ohne Bürgerentscheidspropaganda etwa ohne die Simpelsprüche der IHK in der von ihr »gefahrenen Kampagne« noch einmal ausführlich und sachlich zur Sprache kommen. Abgewogene Argumente sollen allein gelten. Eines, das allerwichtigste, will ich anschließend vorbringen.
Zuvor aber einige allgemeine Bemerkungen: In jener denkwürdigen Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung am 28. Februar 1980, als auch SPD und FDB, getrieben von der WGD, die Osttangente »kippten«, hat allein die CDU gegen diesen Beschluß gestimmt. Die SPD hat damals die Vernunft walten lassen, und die FDP-Fraktion mußte erst durch Herrn Hoffie(!), der eigens aus Bonn angereist war, zum Beschluß überredet werden: immerhin. Aber in der CDU rumort & viruliert diese Absicht wohl immer noch; sie hat sich jedenfalls von ihrer damaligen Haltung noch nicht distanziert, und frühere, alte Stadtverordnete propagierten sie viel später noch immer. Wenn man bedenkt, daß der damalige Darmstädter Generalverkehrsplan (GVP) Autobahntrassen im Innern oder am Rande der Kernstadt vorsah ich will in den nächsten Tagen hier nun eine Skizze zu diesem autogerechten Darmstadt veröffentlichen , kann einem heute noch angst & bange werden, wenn man sich die Auswirkungen ausmalt, falls alles so realisiert worden wäre. Um das Ausmalen der Auswirkungen zur NOU wird es gleich akut gehen. Doch zunächst will ich die Überlegung zum GVP noch etwas fortführen, weil nun die Zukunft betroffen ist.
Der uralte Generalverkehrsplan (ca. 1970) ist weiterhin »in Kraft«, was auch immer das bedeutet; im Jahre 1980 ist er nur fortgeschrieben und modifiziert worden. Einen aktuellen und nach heutigen Maßstäben bedachten und konzipierten gibt es nicht, und so einer ist auch nicht in Arbeit; der Verkehr in Darmstadt hat also keine (geplante) Zukunft. Dies aber betrachte ich als eine wesentliche Aufgabe zur Stadtplanung überhaupt. Zu keiner Zeit seither jedoch wurde diese Aufgabe auch nur diskutert. Sie ist überfällig, darf aber keinesfalls übers Knie gebrochen werden und dauert mindestens eine Legislaturperiode. Also geben Sie als Oberbürgermeister den Startschuß! Das kann Darmstadt nur gut tun und bündelt schon und zunächst in diesem Ihrem Dialogforum alle Argumente und Teilkonzepte, Bedenken und Hoffnungen. Das wird Arbeit kosten und bringt sicherlich ein erhebliches bürgerschaftliches Engagement, ein sachliches.
****
Nun zur Haupt- und Generalfrage für die NOU-Planung schlechthin:
Kann es die versprochene Entlastung der Darmstädter Stadtstraßen überhaupt oder in welchem Maße geben?
Die Planer haben am Modell simuliert und prognostiziert auf Grund der vorhandenen (im wesentlichen:) Pkw-Ströme. Und sie sind zu Ergebnissen gekommen, die kaum jemanden vom Hocker reißen, besonders nicht die scheinbar entlasteten im Martinsviertel; nur etwa in Wixhausen und Eberstadt so der entstandene Darmstädter Treppenwitz befürwortet man die fernen Lasten & Strapazen durch einen Tunnelbau, welche man selbst nicht zu ertragen hätte. St. Florian hat wohl wieder gewütet.
Jedoch unabhängig davon belastet die gesamte Prognose ein methodische Manko, ein erhebliches: Wegen fehlender Informationen wurde der zusätzlich hervorzurufende Lkw-Verkehr unzulänglich berücksichtigt. Dazu werden nur völlig ungenügende Aussagen getroffen, nichts wirklich verläßlich und kompetent analysiert und nicht genügend quantifiziert; man hatte dazu ja auch keine Daten ... so ein Pech, mit dem »man« sich aber erstaunlich leicht abgefunden hat. Eine eingehende »Verkehrsanzugsanalyse« also steht noch aus und stellt für den Gesunden Menschenverstand eine notwendige Bedingung dar.
Ich will zum wiederholten Maße einige methodische Aspekte dazu vorbringen und dann Ihr Dialogforum bitten, weiter zu denken und zu arbeiten:
Die geplante
Straße ist eine Bundesstraße. Also wird es keine Verkehrseinschränkungen
geben können. Ein Lkw-Verbot ist nicht möglich.
Eine solche unbeschränkte Straße stellt für viele Lkw
zwischen Aschaffenburg und Langen (über Nordumgehung Arheilgen), Mainz
oder Gernsheim eine attraktive Abkürzung dar, eine mautfreie.
Der Verkehrsleitwert der Trasse durch den Tunnel nur einspurig
in jeder Richtung ist eher gering.
Ein mehr als 2 km langer Tunnel mit starkem Lkw-Verkehr würde
viele Autofahrer(innen) abschrecken; sie würden die »bewährten«
Routen nehmen.
Ein solcher enger Tunnel, fast wie ein Hohlweg, stellt auch ein nicht
nur psychologisches, sondern erhebliches tatsächliches Gefahrenpotentials
dar; er ist nur am äußersten Rande heutiger Genehmigungsverfahren
überhaupt möglich; und eigentlich werden solche Tunnelarten heutzutage
gar nicht mehr genehmigt. Eine bürgerschaftliche Klage ist deshalb wahrscheinlich.
Alsbald nach Eröffnung der Trasse würde sich ein neuer Durchschnittsverkehr
entsprechend der Durchlässigkeit des Stadtgebiets in Ost-West-Richtung
(mit Teilflüssen in Nord-Süd-Richtung) einstellen.
Er entsteht aus einem Einschwingvorgang: Eine zu gute Durchlässigkeit
zieht alsbald mehr Verkehr an, Überlastung, Staus und Wartezeiten schrecken
ab. Die Verkehrsteilnehmer werden ihre Erfahrungen alsbald in eine Grundhaltung,
welche Route sie nehmen wollen, umsetzen.
Dies wäre nur dann in Frage zu stellen, wenn gar nicht genügend
Verkehrsaufkommen möglich wäre oder man die NOU nur mit Schwierigkeiten
erreichen könnte. Jedoch fehlen zu einer solchen Aussage verläßliche,
quantifizierte Daten, und außerdem plant der Landkreis Umgehungsstraßen,
so daß noch mehr Verkehr als heute rascher an den Rand von Darmstadt
gelangt. Also wird die NOU-Attraktivität noch erhöht, von außen
her.
Meine bereits publizierte Analogie zum Ohmschen Gesetz ist weiterhin
ein verläßliches, natürlich nur qualitatives, Modell für
Verkehrsflüsse in einem Verkehrsgebiet. Jede echte Simulation von Verkehrsflüssen
benutzt ähnliche, selbstverständlich differenziertere Modelle, indem
sie für alle Verbindungsstücke verkehrliche Leitwerte (mehrere nach
Kfz-Klassen) definiert und dann bei einem bestimmten äußeren
(und inneren) Verkehrsaufkommen die verschiedenen Flüsse von ihren
Computern berechnen läßt.
Allerdings mit der Gefahr, daß die jeweiligen Modelle der Wirklichkeit
nur wenig entsprechen, nicht alle Rand- und Anfangsbedingungen gut berücksichtigt
sind und die Verkehrsplaner ihre Prognosen deshalb in den Sand setzen. Jedoch
ein solches Ergebnis wäre im Sinne einer Qualitätssicherung erst
im Nachhinein zu belegen; aber dann ist die Verantwortung dafür längst
in anderen Händen und würde absurderweise von den
Einwohnern, also den Betroffenen getragen werden müssen. Politiker und
Verkehrsplaner könnten sich dann leicht verstecken, sie sind auch nicht
mehr in Amt & Würden, und mit den Fingern auf jeweils die anderen
zeigen.
Also: Welche(r) von den Stadtverordneten, falls er/sie verantwortungsvoll
handeln will, kann es sich angesichts einer derartigen Ungewißheit
ungeprüft angesichts des methodischen Mankos leisten, das Projekt
zu starten mit der Gewißheit, daß die erhofften Wirkungen fraglich
sind?
Mein Resümee:
Die NOU würde genau so viel Verkehr zusätzlich anziehen wie sie aufzunehmen in der Lage ist.
Also bliebe für die zu entlastenden Straßen alles wie bisher. Und deswegen könnte ein solches Riesenprojekt mit all seinen schreckliche Nebenwirkungen und gewaltigen Investitionskosten als Resultat nur zusätzliches Verkehrschaos schaffen. Aber in dem nun etwas autogerechteren Darmstadt würden alle alternativen Aspekte eines Verkehrskonzepts zusätzlich behindert oder gar unmöglich gemacht. Um dies mit Verstand und Verantwortung zu verhindern ist ein ganz neuer Generalverkehrsplan (vielleicht im Namen ohne das Wort »General«) auszuarbeiten.
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Eine letzte Bemerkung betrifft die CDU und Herrn Reißer: Man will im September nur zustimmen, wenn der vorgesehene Abluftkamin einen Filter bekommen soll. Unabhängig von der im geschilderten Gesamtrahmen doch ziemlich läppischen Bedingung alle anderen Gefahren und Mißergebnisse werden ignoriert hat damit zum ersten Mal eine der drei Parteien [SPDCDUFDP] eine Luftbelastung unterstellt, also zugegeben, daß da ein Problem entstünde. Auch die Osttangente wäre ja damals ohne die »grüne Achse der Vernunft« als Nebenbeibedingung dem Vater Reißer als nicht vollkommen erschienen, selbst wenn jener Ausdruck vielleicht eine ironische Übertreibung war. In der Sache sind Vater und Sohn eines »Geistes«, aus Tradition. Wir müssen uns einer solchen eher verhängnisvollen Tradition wiederum nicht anschließen.
Freundliche
Grüße
Ihr
gez. Helmut Dreßler