13. Ein großes Beispiel
(Das Prüfwesen der Fa. PSEUDO GmbH & Co.)
aus: 
13.1 Allgemeine Aufgabenstellung
In Peine, Holstein, wurde das wissen die wenigsten
schon 1971 die Firma PSEUDO GmbH & Co., Tochter von Hulesch &
Quenzel Ltd., London, (siehe: Heimito von Doderer »Die Merowinger«),
gegründet: »Peiner Schatten Einbildungen Utopien Dogmen Offenbarungen«.
Ihr Fertigungsprogramm gestaltet sich dementsprechend; man bietet dort auch
Trugbilder, Blendwerk, Wähne, Hirngespinste und neuerdings Anleitungen
zum Esoterror an.
Zur Zeit werkelt man da an der semiotischen Synthese der
Orgonenergietheorie mit der Biophotonenhypothese. Erste Ergebnisse sind im
Jahr 2001 zu erwarten.
Das Prüfwesen jenes überaus seriösen Unternehmens
ist in einschlägigen Kreisen geachtet, denn man legt auf Qualität
und Wirksamkeit höchsten Wert, schließlich ist man Hulesch & Quenzel
(H&Q) und ihrem hehren Anspruch verpflichtet. Ohne Ansehen des Aufwands werden
dort Produkte begutachtet, getestet und analysiert, und nur geprüftes
Blendwerk verlßt das Haus: Das PSEUDO-Gütesiegel bürgt für
gediegene Tobsuchtsanfälle unter gebildeten Zeitgenossen. Die
Firma will nun aber ihr Prüfwesen auf moderne EDV umstellen, weil der
bewährte alte Lochkartenmischautomat schon mal Karten durch den Raum
wirbelt und die Mechanik zu verschleißen droht; für den Aufbau
der neuen Datenstruktur aber hat man sich meiner Mitarbeit versichert, was
nach derer von PSEUDO Ansicht einer Garantie für den Erfolg des Unterfangens
nahekommt. Zunächst für die Sparte »Ewige Wahrheiten«
mit diesem euphemistischen Begriff sind die bisher erwähnten Phasmen
zusammengefaßt wird das Prüfwesen exemplarisch vorgestellt.
In einem ersten Schritt soll ein Grobentwurf für den Zusammenhang ausgearbeitet
werden. Also wurden zunächst durch Interviews vor Ort die wesentlichen
Begrifflichkeiten und Verfahren eruiert; die Detaillierung soll erst anschließend
näher betrachtet werden. Es wurden fünf Arbeitsgebiete, genannt
»Komplexe«, herausgearbeitet:
-
Der Kriterien-Komplex (KK): Grundwerte als Beurteilungsmaßstäbe
wurden formuliert, geordnet und in mühevoller philologischer Kleinarbeit
zu einem tautologisch-/disparaten System bereitet.
-
Der Analyse-Komplex (AK): Eine aus Prüfverfahren,
Kommissions-Typen und Personen bestehende prinzipielle Vernetzung, anhand
deren für konkrete Prüfprozeduren akute Kommissionen zusammengestellt
werden können.
-
Der Texte-Komplex (TK): Im Laufe der Zeit ist ein umfangreiches
Thesenwerk entstanden, bestehend aus Sätzen und Einschränkungen,
zusammengefaßt zu Themen, welche für Prüfprozeduren in
Traktaten zusammengestellt werden müssen; das sind die eigentlichen
Prüfobjekte = Kandidatinnen für Ewige Wahrheiten (»die«
Wahrheit, also »die« Kandidatin).
-
Der Prozedur-Komplex (PK): Wenn ein Traktatus vorliegt,
werden verschiedene Traktatauszüge den jeweils neu zu begründenden
Prüfverfahrensvarianten zugewiesen, so daß sie durch akute
Kommissionen auf Verträglichkeit mit einem festgelegten Grundwertekonvolut
hin überprüft werden können. Die Arbeit der verschiedenen
Kommissionen, die aufeinander aufbauen, wird in einer Prozedur zusammengefaßt.
-
Der Resultat-Komplex (RK): Ewige Wahrheiten (»EwWh«)
beziehen sich auf EwWh-Kandidatinnen (bzgl. Traktaten), die eine Prüfprozedur
erfolgreich absolviert haben, so daß, entsprechend dem ausgewählten
Grundwertekonvolut, Lizenzen für Nutznießer, welche nicht mit
dem Einreicher/Behaupter identisch sein müssen, ausgestellt werde
können, gegen Gebühren versteht sich. Ewige Wahrheiten, die
das Verfallsdatum überschritten haben, können durch einen Einreicher
erneut zu den EwWh-Kandidatinnen überwiesen werden; wenn sich aber
kein Einreicher finden läßt, werden sie im Orkus (EwWh-Archiv)
abgetan.
Fortsetzung im »Datenstrukturentwurf«
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