UnGzAvS - Aufgegabelt & aufgespießt,
zitiert und ein bißchen kommentiert, was von Leserinnen und Lesern und von mir gelegentlich an Sprachschnitzern und Zweifelsfällen aufgelesen worden ist, hier mit Quellenangabe, wenn sie mitgeliefert wird. Neues vorn, früheres wird nach hinten verschoben. Zum Schmökern (denglish: »browsen«):
Die
dabei gewonnenen Befunde unter Rekurs auf neuere Forschungen
zur Kulturgeschichte des Politischen an übergreifende
Fragen nach der Genese autoritärer Staatskonzepte aus
dem Geist des Weltkriegserlebnisses anzuschließen ist nicht die
Absicht des Verfassers, wofür auch eine gewisse Theoriescheu verantwortlich
sein mag.
(Wolfram Pyta in der FAZ vom 12. Juli 2010)
unter
auf
zur
an
nach
aus
Diese
Präpositionenreihe ist rekordverdächtig. Sie, Leser, sollten
den Satz langsam Ihrer Partnerin oder einem sonstigen Menschen vorlesen,
um kopfschüttelndes Gelächter zu ernten
und ein »Noch
mal!« Aber danach versteht man den Satz immer noch nicht. Und auf
Anhieb schon gar nicht; er erfordert ein Studium mittels Zurücklesens
(trotz Jean Pauls Verbot). Ich wollte ihn erst ins »Verständliche«
übertragen, überlasse diese Aufgabe aber nun Ihnen, liebe Leserinnen
und Leser. Schicken Sie eine Email, und ich veröffentliche Ihre Lösung.
Vielleicht verstehen wir ihn dann gemeinsam.
Zunächst
haben ihn
[den Zaren] die Bolschewiki nach Sibirien verbannt.
In die gleiche unwirtliche Gegend, in die er jahrelang selbst seine Widersacher
hatte deportieren lassen. (Jan
Beinßen: Die Genfalle, Roman, Reclam 1998)
Man kann das leicht mißverstehen: Nicht nur seine Anhänger,
sondern sogar das suggeriert hier das »selbst«
seine Widersacher hat er deportieren lassen, also die Getreuen sowieso.
Nur hat der Autor das nicht sagen wollen. Ein prägnanter Wortstellungsfehler:
»selbst« nur einen Platz nach vorn gestellt, und schon ists
unmißverständlich, das heißt lautet so, wies gemeint
ist: »
in der er selbst jahrelang
«, denn »jahrelang«
als adverbiale Bestimmung der Zeit trennt hier Subjekt und Objekt.
Der Satz lautete: »Mit Hilfe moderner Röntgen- und Gammastrahlenteleskopen haben die Astronomen nun eine ähnliche Fähigkeit wie der Comicheld Supermann erlangt: «
Der
deutschsprachige Songwriter (ein
Moderator/Veranstalter einer »alternativen« Berliner Szeneveranstaltung
im Radio über in ihrem Club (noir?) Auftretende, 14.3.2009)
Mich schüttelt es bei solch einem unbedarften Gerede: Songwriter
ist dort der Standard bezüglich solcher Leute, die da ihre eigenen
Strophen singen, und wenn sies auf Deutsch anstellen, fallen sie
aus dem Rahmen derjenigen Writer, die an jenem Ort ansonsten ihr Lied
absondern; wahrscheinlich alles Berliner Jungs, die dort nach den Sternen
greifen. Oh, wie läppisch, oh, wie doof, unbedarft und mode! Man
orientiert sich an einem sprachlichen Trend, mit dem sie dennoch alsbald
in den Gully gespült werden, sie ahmen nach und halten sich für
zeitrichtig, aber werden bald wieder verschwunden sein. Glücklicherweise.
Jedoch es kommen immer andere nach.
Dazu
paßt wie Faust auf Aug':
Paul
Smith, Sänger der Indie-Rockband Maximo Park aus Newcastle, schlägt
im Buch nach, was Lied auf Deutsch heißt: nämlich Song.
(Bildunterschrift
FAZ 6.3.2009)
Vorlesen
und dabei die Dinge lebendig machen für diesen Film heißt
das: unerträglich pathetisch, mit übertriebener Betonung, geradezu
komödiantenhaft sprechen, so jedenfalls, dass keine Bücherfigur,
die ihre fünf Sinne beisammen hat, dadurch zum Verlassen der Seiten
bewegt werden kann. (FAZ-Feuilleton, 10.12. 2008, Tilmann
Spreckelsen)
Ich bin regelrecht erschrocken, nicht etwa erschreckt. Genauso schütterts
mich, wenn ich lesen muß, daß eine Festung im Zuge eines Krieges
geschliffen oder das Baby von der Oma zärtlich gewogen worden sei,
allerdings ohne daß sie sein Gewicht festgestellt hat. Der obige
Autor schreibt sogar einen Absatz davor: »
und wenn es sich
danach nicht so schrecklich tapsig anstellen würde,
«
Also werden auch selbst in einer Zeitung wie der FAZ Leute schreiben gelassen,
die solch einen grammaticalischen Fehler nicht wie einen Verstoß
in ihrer Muttersprache fühlen (s.u.). Sie wissen nicht so recht,
worauf ich hinaus will? Oh, »bewogen« muß das
heißen, weil es Verben gibt, die unterschiedlich gebeugt werden,
je nachdem, was sie genau bedeuten. Da gibt es noch mehr als die bereits
genannten, etwa: schaffen, schmelzen und stecken, abgesehen davon, daß
die starken Beugungen, weil man sie nicht mehr beherrscht, immer mehr
abgeschliffen werden hier hätte auch »geschleift«
einen guten Sinn. Irgendwann werden sie vermutlich verschwunden sein.
Schade. PS: »Nach "wenn" niemals "würde"!«
haben wir in der Schule gelernt. Das gilt noch immer, zumindest fürs
gehobene Feuilleton.
http://wald.heim.at/redwood/510838/Wortspielplatz.pdf
Diese HyperLink-Adresse ist auch aufgegabelt, aber im positiven Sinne.
Als ich »Augenmaßlos« erfunden hatte für den Titel
meiner Bizarrikums-Zeitung (einer Darmstädter Angelegenheit) habe
ich gegoogelt (ist korrektes, neues deutsches Wort!) und mich gefragt,
ob ich der Ersterfinder war. HA! Nicht im geringsten. Schon seit 2001
oder früher gibt es den »Wortspielplatz« mit 4002 solcherlei
Komposita, und der »Espritverbrauch« und die »Geisteshaltungsschwäche«
stammen von dort, nicht von mir. (s.u.)
Jetzt
kam bald der Frost. (Der Übersetzer Wolfgang Butt
in »Vor dem Frost« von Henning Mankell)
Dieses ist eine grammatische Novität, ein »Futurum imperfektum«.
Oder ist das so schon längst ein bißchen üblich? Anstatt:
»Jetzt würde bald der Frost kommen.« Das wäre korrekt,
aber hier sind die Grammatikalisten gefragt. Ist das Fut. imp. heutzutage
vielleicht gar nicht mehr ganz falsch? Allerdings glaube ich eher an einen
Schnitzer, denn im selben Buch stehen auch solche Sätze wie:
Kurt Wallander hatte versucht, Linda nach
Hause zu schicken, um zu schlafen.
Abgesehen vom überflüssigen Komma bedeutet der
Satz, daß Wallander schlafen wollte und er deswegen die störende
Tochter Linda nach Hause geschickt hat. Nur im Zusammenhang ists
umgedreht gemeint, Linda sollte schlafen gehen.
Elke
Heidenreich »Dieses Buch ist, ich sage jetzt einmal ein großes
Wort, unverzichtbar.« (runder Reklameaufkleber auf
einem Buch)
ein großes
Wort. Wer so unbedarft, gar gesteigert, um nicht zu sagen, verstiegen,
schreibt, disqualifiziert sich selbst.
Bei
der Beschreibung
kann man sich
durcharbeiten, indem zuerst
die innersten Elemente eines Dokuments beschrieben werden, die nur Text
enthalten. Dann folgt die nächsthöhere Ebene, deren Elemente
diese beinhalten, usw. (Helmut Erlenkötter: XML )
Da
muß sich der Autor daran erinnert haben, daß die Deutschlehrerin
ihm immer wieder ein »W« an den Rand geschrieben hat, so daß
er nun bedenkenlos beim zweiten Mal das gute durch das alberne Verb ersetzt,
obwohl doch gerade die Verschachtelung (Matrioschka), also die gleichartigen
Teilstrukturen, die sich ineinander fügen, das immer auf genau dieselbe
Weise tun. Ist also »beinhalten« das erhabenerere? Eignet
es sich für die bedeutenderen Einbegriffenheiten, auf höherem
Niveau? Es eignet sich gar nicht, ist auszumerzen und durch andere
(enthalten, aufweisen, umschließen, bergen, bestehen aus, umfassen,
bedeuten [manchmal auch dieses], besagen, betreffen,
) zu ersetzen,
eben durch das treffendste Wort. Wie immer.
PS: Weil der Autor in seinem Buch »Matroschka«
geschrieben hat, habe ich »auf gut Glück« mit Google
gesucht
und gefunden; man hat eben manchmal solches:
Pädagogisches Konzept und Ziele des Heimatvereins für Russischsprechende
Kinder in Trier "MATRIOSCHKA" Bedeutung des Vereinsnamens
"MATRIOSCHKA": "MATRIOSCHKA" nennt
man in Russland eine runde bunt bemalte Holzpuppe, die mehrere kleinere
Puppen in sich beinhaltet.
Ist
so das heutige Israel? Etwas für robuste Party-Naturen mit kurzer
Trauerfrequenz, nichts mehr für zauselbärtige Träumer
?
(DIE
ZEIT Nr. 15, 2007: Zions streitende Erben, Autor: Wolfgang Büscher)
Wenn jemand sich oberhalb seiner »Kenntnis-Relationen« (so
schriebe wahrscheinlich der Schreiber) ausdrücken möchte, passiert
ihm sowas: Unglücksache mit dem Fremdwort. Das Motiv für prätentiöse
Formulierung besteht immer darin, daß einer es den Lesern etwas
gewählter als nur einfach dartun möchte
robuste
Partynaturen, die nur kurz trauern,
; sowas wäre
dem zu simpel, oder er ist gar nicht darauf gekommen. Nur, daß Frequenzen
nicht kurz sein können, sonder nur hoch oder niedrig, und er vielleicht
die Frequenz mit der Wellenlänge verwechselt, vielleicht, oder eben
einfach nur sich mit einem »Längsel« artikulieren wollte,
weil ihm seine Kürze ohne Würze wäre, kann man jeweils
nur vermuten. Aber man freut sich doch, wenn jemandem seine Prätentiosität
in die Hosen gäht.
Im zweiten Weltkrieg brennt der Hof bis auf das Wohngebäude
und die Grundmauern nieder. (aus dem Vorspann
der Speisekarte im Hottenbacher Hof = empfehlenswert
bei einen Ausflug in den Odenwald)
»Kalkutta liegt am Ganges, Paris liegt an der Seine, doch daß
ich so verliebt bin, das liegt an Madeleine.« und der alte Scherzsatz
»Der Einbrecher schlug zuerst das Schaufenster und dann den Weg
nach Darmstadt ein.« wurden hier auf elegante Art fast noch übertroffen:
Wie nicht ein Verb, sondern bloß das »bis« nach drei
Wörtern seine ihm innewohnende Bedeutung wandelt und die zweite mit
der ersten plötzlich nichts mehr zu tun hat, sondern den Leser zwingt
umzudenken und umzuverstehen, grenzt ans Verwegene: zuerst »außer«
und dann »bis zum bitteren Ende«. Und die Konstruktion geschah
sicherlich unfreiwillig! Das ist denen aber mal gelungen.
das torlose Null-zu-Null
(Samstagsbundesligaradio,
welches bekanntlich von »rhönsprudeläppelplus präsentiert«
wird, wahrlich ein Fall fürs Gelächter über das Flaschenhafte
im Rundfunk »...zieht uns hinab«. 28. Oktober
2006)
Früher hat manch einer das »Torlos« parodiert und sich
darüber lustig gemacht. Aber jetzt muß man sich wieder einmal
damit abfinden, daß die Fachsimpel keine Ironie verstehen und gedankenlos
als bare Münze nehmen, was als sprachliches Falschspielgeld ausgegeben
worden ist. Nun verwendet zumindest ein Reporter allen Ernstes, wiederholt
und ohne jeglichen Hohn im Ton, diese Tautologie so engagiert und routiniert,
daß man beinahe meint, er ist auf diesen gelungenen Ausdruck auch
noch stolz, der sei regelrecht Fußballfachjargon. Man weiß:
Dummheit erkennt sich nicht selbst, und man sollte sich denen Dummen gegenüber
keine lustige Verballhornung gestatten; sie bemerkens nicht und
nehmens stattdessen und dann sich selbst wichtig.
siehe auch: »Sportreportersprache«!
und die Lücke, die sein Tod hinterläßt,
ist für mich durch nichts zu ersetzen
(aus
einem Spendenwerbebrief, Oktober
2006)
Da hats die Schreiberin in ihrem unüberlegten Pathos voll erwischt.
Schon vor Jahren hatte der Franz Heubl (CSU) nach dem Ableben des F.J.
Strauß am 3.10.1988 so schön gesagte: »Er hinterläßt
eine unersetzbare Lücke.«
Erst für diese wäre somit keinerlei Ersatz denkbar, für
die Lücke; sie ist ein Unikat, alle Kopien der Lücke wären
unzureichend. Und wer da vorher an der Stelle der Lücke vorübergehend
noch existiert hatte, war eventuell sogar ersetzbar, denn jeder Mensch
ist ja bekanntlich ersetzbar, nur
seine nun endgültige Lücke nicht
mehr. Denn, Frage: Wodurch hätte man diese Lücke wohl ersetzen
können, und was, schließlich, wäre eine ersetzbare Lücke?
Wäre etwa gar eine ersetzbare Lücke durch ein anderes
beispielsweise: Loch instand- oder zu er-setzen oder mittels irgendeines
ideellen Füllmaterials auszubessern?
Beide wollten sie eigentlich schreiben, daß der jeweils gestorbene
nicht zu ersetzen sei eine pietätvolle Lüge und
eine »Lücke« gerissen habe. Wenn man allerdings
diesem Wort nachsinnt, wirds einem schon ganz profan zu Mute: Falls
ich demnächst sterbe, hinterlasse ich uns also »eine Lücke,
eine Lücke« (Charlie Rivel, Clown, läßt grüßen)
, aber eine solche Lücke kann doch nicht ersetzt, sondern (was
macht man mit so einer?) höchstens wohl gestopft werden. Also,
momentemal, da laß ichs lieber mit dem Sterben und der
Lücke! Sonst wäre die am Ende noch zu stopfen und würde
zur »Stopflücke«.
Und wenn man den beiden Wortlauten noch länger hinterhersinnt und
zum Spaß mal ein bißchen modifiziert, so wäre die Lücke
alsbald unersetzlich, also kostbar und besonders wertvoll, einfach dadurch,
daß sie entstanden ist. Die aber wäre dem jeweiligen Toten
nicht angemessen: erst seine Lücke, die niemand ersetzen will und
kann, hat so ihre (seine?) unermeßliche Tiefe und Breite.
tolle Vibration gehabt
(aufgeschnappt
im SWR II, Ende September 2006, Kultursendung, als ein Studiogast seine
Begegnung mit einer »phantastischen« Poppianistin schilderte)
Die »Vibration« hat jener ausgesprochen, wie mans schreibt,
nur zu Bruchbeginn des Wortes hat er unsicher - einen kurzen Laut
»weib« vorangeschickt, sich aber rasch korrigiert, und das
Wort als Vibration, eine tolle, ausgesprochen. Eine bemerkenswerte Fehlleistung,
finde ich. Die »Weibrehschen« war ihm dann doch zu denglish-affig,
so hat er sie schnell und hilflos ins Deutsche übertragen, war erleichtert
und fand das dann auch noch toll, wie ein Sprachschöpfer, dem ein
neues Wort entschlüpft ist.
Karl May ein sicherlich bemerkenswertes Beispiel hat im
»Blauroten Methusalem« einen Käptn Turnerstick
mitspielen lassen, der meinte, er spräche Chinesisch, indem er an
seine deutschen Wörter einfach ang, eng, ing, ong, ung angehängt
hat, selbstsicher und mit dem Anspruch verstanden zu werden. Die Chinesen
waren allerdings verstockt und haben seine Reden nicht begriffen. Der
Autor hat einen Dummerjan zwecks Erheiterung der Leser erfunden, mäßig
lustig, und vorgeführt, daß so simple Wortbenutzung ins Irre
führt.
Die Gefahr ist fast von derselben Art und ebenso groß, daß
jeder, der die Plattwörter des Denglishen »verinnerlicht«
(der Fachmann: »internalisiert«) und sie sich in freier Rede
abruft, also stolz benutzt und in ein Kauderdenglisch verfällt, schließlich
weder richtig verstanden werden kann noch tatsächlich den Eindruck
schindet, den seine Großspurigkeit in Fremdwortbeherrschung erwecken
möchte. Nur darauf will ich hinweisen. Unsere deutsche Vibration
ist in dem Zusammenhange einfach nur lächerlich, denn er hat nicht
zittern wollen. Und man könnte überlegen, welche Formulierung
ihm hätte einfallen können, wenn er seine tatsächliche
Empfindung in unserer Sprache auszudrücken versucht hätte.
Nicht
gerankt (keine Daten vorhanden, zu geringe Fallzahlen)
(DIE ZEIT, mehrere Ausgaben im Mai 2006)
Die denglischen Ranken schlängeln sich durch mehrere Nummern, ohne
dass jemand in der Redaktion aufgeschrien hat: Keine Rangfolge war da
manchmal zu ermitteln, und »ranking« konnte nicht stattfinden,
aber in jener sich anspruchsvoll gerierenden Zeitung wurde stattdessen
die Sprache verränkt oder verrenkt. Selbst solche Institutionen also
beteiligen sich an der Schluderschule, bedenkenlos wird einzerdeutscht,
was den Sprachohnmächtigen bequem erscheint, rank & schlank wird
ihr Ausdruck, bis er sich als dürr & krumm herausstellt und schließlich
alle ihre Wörter englischen Stamm haben und nur noch an ihren konjugierten
oder deklinierten Endungen als scheindeutsch erkannt werden können.
Was ausgerankt ist, läßt sich nicht wieder einranken, ausgerankte
Sprachskrupel tun denen, die solches zulassen, nicht so weh wie ausgerenkte
Schultern, welche man ihnen ersatzweise gönnen müßte,
damit ihnen ihre Verstöße und Dummheiten woanders weh täten.
Aber denen täte nie was weh, auch nichts, wenn einer schriebe: warte
nur balde silentst du auch. Was should denn daran bad oder false
be, askt's Redakteur?
Die
neueste Version der Word-Rechtschreibprüfung sei zwar besser als
ihre Vorgängerinnen, aber noch immer könne das Programm eine
Vielzahl von Wortzusammensetzungen nicht erkennen. Das ist auch
gar nicht verwunderlich, denn theoretisch sind in der deutschen Sprache
unendlich viele Wortzusammensetzungen möglich.
(Bastian
Sick: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod Folge 2)
Über das gedankenlose »unendlich«
haben ich und Lichtenberg bereits unsere Bemerkungen gemacht. Aber hier
ist die Sache auf die Spitze getrieben durch das zusätzliche »theoretisch«,
denn damit wandelt sich der geläufige Lapsus zum Fehlschluß.
(Auch Goethe hatte eine unüberwindliche Abneigung gegen alle Disziplinen
der Mathematik, welche bekanntlich von jenem Newton, den und dessen Spektrallehre
er haßte, für ihn verkörpert wurde. Und in Goethes Tradition
bleiben viele befangen, die in der Schule damit zu wenig haben anfangen
können; manche sind sogar darauf stolz. Das ist eher dumm.)
Im Grimmschen Wörterbuch sind etwa 350.000 deutsche Wörter verzeichnet,
aufgeteilt in die Wortarten. Hier geht es nur um Substantive (ca.
23456
?)
und Adjektive (ca.
34567
?) und Partizipien (ca.
12345
?)
Die Wörterbuchredaktion konnte dies auf Anfrage hin nicht klären.
Das Anliegen des Autors B. Sick betrifft die daraus »theoretisch«
möglichen (»theoriemöglichen«?) Kombinationen. Theoretisch
möglich wären dann beispielsweise: s x a = k, also 391 Mio.
oder irgendeine andere größere Zahl. Das sind zwar viele, ist
aber von »unendlich« noch unendlich weit entfernt. Die praktisch-theoretisch,
also semantisch tatsächlich (»semantischtatsächlich«)
möglichen Kombinationen, die einen brauchbaren Begriff ergeben könnten,
lassen sich zwar nicht berechnen, sind aber weitaus weniger als das kombinatorische
Ergebnis, also vielleicht 123.456, denn beispielsweise »laienlanggehegt«
oder »schlicksorgsam« sind dem Sinne nach unverträglich
und damit auch theoretisch nicht möglich, außer in Darstellungen
wie dieser hier. Also doch?
PS: Eine Rechtschreibprüfung müßte »Wortzusammensetzungsbegriffe«
(Probe aufs Exempel), wie diesen sehr wohl erkennen. Und die Word(2003)-Rechtschreibprüfung
tut das auch; er wird nicht rot unterschlängelt, erst wenn man das
letzte »i« spaßeshalber durch ein »o« ersetzt.
Auch »Wortzusammenstellungsbegriffsbildung« ist ein in Word(2003)
erlaubtes Kompositum. Was also tut diesbezüglich Herr Sick?
Eine Vielzahl anprangern, und dafür kein Beispiel bringen.
PPS: Ausgerechnet ich muß hier MS/Word verteidigen, wo dieses mir
doch ständig automatisch
meine Numerierungen durcheinander bringt!
König
Artus die Forscher verorten die Gestalt vage ins 6. Jahrhundert
und auf der nächsten Seite: Ob
Sitte oder Sozialpolitik die Welt der Urgroßeltern scheint
Lichtjahre entrückt. (Der
Spiegel Nr. 44.2005: Die Welt des Mittelalters, Autor: Matthias Schulz)
Eine Zeit wird nun verortet, und Lichtjahr auch hier nicht als Entfernungsmaß,
sondern als Zeitabstand benutzt, auch wenn der Autor vermutlich argumentierte,
falls er sich kundig gemacht hätte, daß »entrücken«
selbstverständlich meine, hinweg »auf ferne Sterne« seien
Sitte und Sozialpolitik entrückt. Aber ich glaube ihm nicht, denn
wer bedenkenlos die Zeiträume verortet, benutzt sicherlich ebenso
gedankenlos die Lichtjahre zur Beschreibung des Äons.
<= Bei Schmidt
kann man in die »Gucksachen« gucken
oder:
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